Krankenversicherung im Studium – die drei Optionen
Wer in Deutschland studiert, muss krankenversichert sein. Für Studierende gibt es grundsätzlich drei Wege, diesen Pflicht zu erfüllen – und die richtige Wahl kann langfristig erhebliche finanzielle Konsequenzen haben.
Option eins ist die kostenfreie Familienversicherung in der GKV der Eltern, sofern das eigene Einkommen unter 485 Euro pro Monat liegt und man das 25. Lebensjahr noch nicht überschritten hat. Diese Option ist zwar kostenlos, hat aber eine zeitliche Begrenzung und endet spätestens mit dem 25. Geburtstag.
Option zwei ist die studentische GKV-Pflichtversicherung, die für Studierende bis 30 Jahre (oder bis zum 14. Hochschulsemester) gilt. Der Beitragssatz ist subventioniert und liegt deutlich unter dem normalen GKV-Satz. Für das Sommersemester 2025 beträgt er ca. 116 Euro monatlich (ohne Pflegeversicherung).
Option drei ist die private Krankenversicherung. Sie ist für Studenten bis 34 Jahre möglich und bietet besonders günstige Studenten-Sondertarife. Der entscheidende Vorteil liegt in den langfristigen Alterungsrückstellungen: Wer früh eintritt, zahlt lebenslang weniger.
Die Altersperspektive: Warum der frühe PKV-Einstieg so wichtig ist
Der wohl stärkste Argument für die PKV im Studium ist die sogenannte Alterungsrückstellung. Private Krankenversicherungen bilden für jeden Versicherten Rücklagen, um die im Alter steigenden Behandlungskosten abzufedern. Je früher jemand eintritt, desto mehr Jahre stehen für den Aufbau dieser Rückstellungen zur Verfügung – und desto niedriger fällt der monatliche Beitrag aus.
Ein Beispiel verdeutlicht die Tragweite dieser Entscheidung: Wer mit 22 Jahren in die PKV eintritt, zahlt für denselben Tarif deutlich weniger als jemand, der mit 32 einsteigt. Über 40 Berufsjahre kann der Unterschied leicht 50.000 bis 100.000 Euro betragen. Dieser Effekt ist einer der Hauptgründe, warum Finanzplaner einem frühen PKV-Einstieg bei gesunden, jungen Menschen oft zustimmen.
Was kostet die PKV für Studenten?
PKV-Studenten-Sondertarife sind speziell für den Zeitraum des Studiums konzipiert. Sie bieten einen soliden Grundschutz zu besonders günstigen Konditionen. Nach dem Studium kann der Versicherte nahtlos in einen regulären PKV-Tarif wechseln – meist ohne erneute Gesundheitsprüfung.
| Versicherungsart | Monatsbeitrag (ca.) | Leistungsqualität | Langfristiger Vorteil |
|---|---|---|---|
| Studentische GKV (bis 30 J.) | ca. 116–140 € | Gesetzlicher Standard | Kein Langzeitvorteil |
| PKV Studenten-Tarif (22–25 J.) | ca. 80–130 € | Individuell wählbar | Günstiger Einstiegsbeitrag lebenslang |
| PKV Studenten-Tarif (26–30 J.) | ca. 110–170 € | Individuell wählbar | Noch günstiger als späterer Einstieg |
| PKV regulär (ab 30 J.) | ca. 300–500 € | Sehr umfangreich | Kein Studenten-Bonus mehr |
Nicht alle PKV-Anbieter bieten spezielle Studenten-Tarife an. Achten Sie darauf, dass der Tarif eine Wechseloption in einen regulären Tarif ohne erneute Gesundheitsprüfung beinhaltet. Das ist entscheidend, um den günstigen Gesundheitsstatus des Studiums dauerhaft zu sichern.
Familienversicherung vs. eigener PKV-Tarif – wann lohnt sich der Wechsel?
Solange Sie kostenfrei in der Familienversicherung Ihrer GKV-versicherten Eltern mitversichert sind, müssen Sie keinen eigenen PKV-Tarif abschließen. Aber sobald Sie das 25. Lebensjahr vollendet haben oder ein eigenes Einkommen über 485 Euro monatlich erzielen, endet dieser Vorteil – und Sie müssen eine eigene Absicherung wählen.
Genau dieser Übergang ist der ideale Zeitpunkt, um die PKV-Option zu prüfen. Wer mit 25 Jahren gesund ist und ein Studium absolviert, ist aus PKV-Perspektive ein Idealkandidat: jung, gesund, kein umfangreicher Vorerkrankungshistorie.
Ist einer der Elternteile bereits PKV-versichert, ist eine eigene Mitversicherung in der GKV des anderen Elternteils nicht möglich. Dann ist der Abschluss eines eigenen PKV-Tarifs ohnehin notwendig. In diesem Fall ist der Studenten-PKV-Tarif die naheliegendste Lösung.
Leistungen: Was bietet die PKV Studenten?
Die PKV-Studenten-Tarife bieten je nach Anbieter und Tarifwahl unterschiedliche Leistungen. Typischerweise enthalten sind:
- Ambulante Behandlung beim Arzt (100 % nach GOÄ in hochwertigen Tarifen)
- Stationäre Versorgung (mindestens allgemeine Krankenhausleistungen)
- Zahnärztliche Grundversorgung (Zahnersatz teils als Zusatzbaustein)
- Arzneimittel auf Rezept
- Optionale Erweiterungen: Chefarztbehandlung, Einbettzimmer, Heilpraktiker
Besonders im Bereich Zahngesundheit sind PKV-Tarife der Studentenversicherung GKV oft überlegen. Wer in jungen Jahren regelmäßig zum Zahnarzt geht und auf hochwertige Versorgung setzt, profitiert von besseren Erstattungsquoten.
Nach dem Studium: Nahtloser Übergang in die reguläre PKV
Ein guter Studenten-PKV-Tarif enthält eine sogenannte Umstiegsgarantie oder Wechseloption. Das bedeutet: Nach dem Studium können Sie in einen regulären PKV-Tarif wechseln, ohne erneut eine Gesundheitsprüfung durchlaufen zu müssen. Sie nehmen sozusagen Ihren damaligen Gesundheitsstatus – jung und gesund – mit in die Zukunft.
Das ist ein erheblicher Vorteil. Stellen Sie sich vor, Sie entwickeln während des Studiums eine chronische Erkrankung. Ohne Umstiegsgarantie müssten Sie bei einem späteren PKV-Wechsel Risikozuschläge akzeptieren oder Leistungen ausschließen lassen. Mit der Umstiegsgarantie bleibt Ihr ursprünglicher Vertragsstatus erhalten.
Wer sollte als Student die PKV in Betracht ziehen?
Eine klare Empfehlung für alle ist nicht möglich – die Entscheidung ist zu individuell. Aber folgende Faktoren sprechen klar für den PKV-Einstieg im Studium:
- Sie sind unter 30 Jahre alt und gesund
- Ihre Eltern sind bereits PKV-versichert (dann ist GKV-Familienversicherung ohnehin nicht möglich)
- Sie planen eine selbstständige Tätigkeit oder eine Karriere als Beamter nach dem Studium
- Sie legen Wert auf bessere Leistungen (schnellere Termine, höherwertiger Zahnersatz)
- Sie möchten frühzeitig von günstigen Alterungsrückstellungen profitieren
Gegen die PKV im Studium spricht: unregelmäßiges Einkommen, geplante Familiengründung (Kinder werden nicht automatisch mitversichert), Neigung zu chronischen Erkrankungen in der Familie oder unsichere Berufsperspektiven nach dem Studium.
Häufige Fragen von Studenten zur PKV
In der GKV können Studierende bis zum vollendeten 25. Lebensjahr kostenlos in der Familienversicherung der Eltern bleiben, sofern das eigene Einkommen unter 485 Euro monatlich liegt. Mit dem 25. Geburtstag endet dieser Schutz automatisch – und es ist Zeit, eine eigene Versicherung zu wählen.
Günstige PKV-Studenten-Tarife beginnen bei ca. 80–100 Euro pro Monat für Studenten unter 25 Jahre. Bis 30 Jahre sind es oft 110–150 Euro. Damit sind PKV-Tarife in dieser Altersgruppe häufig vergleichbar oder sogar günstiger als die studentische GKV-Pflichtversicherung (ca. 109 Euro/Monat).
Wenn Sie nach dem Studium als Angestellter mit einem Gehalt unter der Versicherungspflichtgrenze (2026: 77.400 Euro/Jahr) tätig werden, werden Sie automatisch GKV-pflichtversichert. Sie können dann von der PKV zurück in die GKV wechseln. Wenn Sie selbstständig werden oder über der Grenze verdienen, bleiben Sie in der PKV.
Für junge, gesunde Studierende, die langfristig privat versichert bleiben möchten (z. B. weil sie planen, selbstständig oder Beamter zu werden), lohnt sich die PKV im Studium fast immer. Die günstigen Alterungsrückstellungen, die Sie in jungen Jahren aufbauen, zahlen sich über Jahrzehnte aus. Für alle anderen ist ein individueller Vergleich sinnvoll.